Montag, 27. Februar 2012

Behandlung von Krebs in der Schwangerschaft

Bei einer von 1000 bis 2000 Schwangerschaften wird Krebs diagnostiziert. Im ersten Trimenon wird eine Therapie gegen den Krebs grundsätzlich vermieden, da sich in dieser Phase die Organe entwickeln und es beim Kind zu einem erhöhten Fehlbildungsrisiko kommen kann. Im zweiten und dritten Trimenon der Schwangerschaft müssen Vor- und Nachteile einer Therapie gegen den Krebs abgewogen werden.


Brustkrebsschleifen

Ein internationales Team von Forschern hat die geistige Entwicklung und die Herzfunktion von Kindern untersucht, deren in der Schwangerschaft an Krebs erkrankte Mütter nach dem ersten Trimenon der Schwangerschaft eine Chemotherapie erhalten hatten. Bislang liegen die Ergebnisse zu 70 Kindern aus 68 Schwangerschaften vor. Darunter waren 7 Kinder, deren Mütter zusätzlich zu einer Chemotherapie eine Radiotherapie (Bestrahlung) bekommen hatten. Die Mütter waren meist an Brustkrebs (Mammakarzinom) erkrankt. Sie hatten gegen den Krebs am häufigsten die Anthrazykline Doxorubicin, Epirubicin, Idarubicin und Daunorubicin erhalten.

Die Forscher fanden bei den Kindern keinen Hinweis auf Verzögerung des Wachstums und der geistigen Entwicklung, auch die Herzfunktion war im Normbereich. Nur bei künstlich herbeigeführter, vorzeitiger Entbindung - teilweise geschah dies, um die Kinder vor der Chemotherapie zu schützen - wurden leichte Defizite entdeckt. Das Ende der Schwangerschaft erfolgte bei den an Krebs erkrankten Müttern im Duchschnitt zu früh, nämlich in der 35,7 Schwangerschaftswoche. Die Ergebnisse entsprachen den Werten von Frühgeborenen nicht an Krebs erkrankter Mütter. Die Forscher raten daher, zurückhaltend dabei zu sein, die Kinder an Krebs erkrankter Mütter vorzeitig zu holen.

Das Risiko, dass eine Chemotherapie gegen Krebs im zweiten oder dritten Trimenon der Schwangerschaft das Kind schädigt, ist offenbar gering. Ab der 14. Schwangerschaftswoche überwiegt der Vorteil der Chemotherapie gegen Krebs für eine krebskranke Schwangere den Nachteil für das Kind. Allerdings kann noch nichts über die Langzeitfolgen für das Kind bezüglich Fertilität (Fruchtbarkeit) und dem Risiko selbst an Krebs zu erkranken gesagt werden.
  
 Blattgold Dr.Becker

Quelle: 

Mayer, Rüdiger. Krebsbehandlung in der Schwangerschaft. Im höheren Trimenon sind Risiken für das Kind gering. Deutsches Ärzteblatt, Jg.109, Heft8, 24.Februar 2012. S.321.

Amant, van Calsteren, Halaska, Gziri. Long-term cognitive and cardiac outcomes after prenatal exposure to chemotherapiy in children ages 18 months or older: an obsevational study. Lancet Oncology 2012; doi: 10.1016/S1470-2045(11)-70363-1.

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