Samstag, 10. Januar 2015

Vergiftungen von Kindern durch ätherisches Öl

Am häufigsten werden von Kindern Inhalate oder Duftöle verschluckt. Bei Inhalaten besteht eine große Verwechslungsgefahr mit anderen Medikamenten in Tropfenform. Ätherisches Öl wird in oft als Erkältungsmittel, zur Raumluftverbesserung in Duftlampen, in Fleckentferner und Putzmitteln, zur Aromatherapie und in Kosmetika verwendet. 



Vorkommen ätherischer Öle im Haushalt:

Babix Inhalat N
Es wird häufig bei Säuglingen mit Erkältung angewendet. Dies ist eine Flüssigkeit zur inhalativen Anwendung durch Auftropfen auf ein Kleidungsstück bei Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege. Es enthält 30% Eukalyptusöl und 70% Fichtennadelöl.

Bronchosekretolytika und Expektoranzien
Diese in der Kinderheilkunde viel verwendete Medikamentengruppe beinhaltete ätherische Öle. Meist unverdünnte Eukalyptus- oder Pfefferminzöle.

Duftöl
Duftöle werden als Luftverbesserer (z.B. Anti-Rauch), zur Raumaromatisierung (Weihnachtsduft) in Duftlampen. Sie enthalten meistens synthetische ätherische Öle. 





Ätherisches Öl in der Duftlampe Blattgold Dr.Becker ®


Mottenmittel
Flüssige Mottenmittel enthalten bis zu 100% ätherisches Öl oder Duftöle.

Parfumöle
Zur aromatisierung der Raumluft, aber auch von Kosmetika wie Seifen oder Reinigungsmitteln. Sie können sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein, es wird natürlich vorkommendes oder naturidentisches sowie synthetisches ätherisches Öl in unterschiedlichen Konzentrationen verwendet. Es können zusätzlich Alkohole, Emulgatoren und Propylenglykol enthalten sein. Bisher hat es sich bewährt diese Produkte toxikologisch wie ätherisches Öl einzuschätzen.

Wie verstoffwechselt der Körper ätherisches Öl

Soweit bekannt wird ätherisches Öl rasch und gut aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert. Die Ausscheidung erfolgt über die Lunge sowie Haut- und Schleimhäute. Geringe Mengen werden von der Leber verstoffwechselt und ein Teil wird überwiegend unverändert über die Nieren ausgeschieden.





Video Heilpflanze Pfefferminze: 



Wie giftig ist ätherisches Öl?
Leichte Symptome können schon nach Verschlucken weniger Tropfen auftreten. Schwere Symptome treten nur nach Aufnahme größerer Mengen auf. Dies ist vor allem bei Säuglingen der Fall wenn ätherisches Öl mit einem anderen Medikament verwechselt wird und dem Säugling durch Fremdbeibringung eingeflößt wird. Viele ätherische Öle haben keine schleimhautreizende Wirkung und haben einen guten Geschmack.

Vergiftungsbild
Die Symptome treten innerhalb von 2 Stunden nach dem Verschlucken auf. Leichte Symptome können Magen-Darm-Beschwerden sein oder ZNS-Symptome die an einen Alkoholrausch erinnern wie Schläfrigkeit, Unruhe, Zittern, Distanzlosigkeit und Gleichgewichtsstörungen. Schwere Symptome sind nur von Seiten des ZNS zu erwarten wie zunehmende Schläfrigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit und Krampfanfälle. Nach Fremdbeibringung bei Verwechslung mit Hustentropfen oder durch ältere Geschwister als "Therapie" kann bei Säuglingen ein lebensbedrohlicher Kehlkopfkrampf hervorgerufen werden wodurch es zu Luftnot und den sich daraus entwickelnden Folgen kommt sowie Krampfanfällen.
Vorübergehende Nierenfunktionsstörungen oder Leberschäden sind nur bei sehr starken Vergiftungen zu erwarten. An der Ausatemluft lässt sich erkennen ob sehr große Mengen ätherisches Öl aufgenommen wurden, weil die Ausscheidung überwiegend unverändert über die Lungen erfolgt. Duftet die Ausatemluft nicht nach ätherischem Öl können trotzdem kleine Mengen verschluckt worden sein. Tödliche Vergiftungen sind durch versehentliches Verschlucken nicht zu erwarten. Nach Abklingen der Symptome sind keine bleibenden Schaden zu erwarten.



Maßnahmen nach Verschlucken von ätherischem Öl
Bei ungewöhnlichen Symptomen und Verschlucken durch Kinder sollte ein Giftinformationszentrum und der Kinderarzt zu Rate gezogen werden. Abhängig vom Alter des Kindes und von der verschluckten Menge ätherisches Öl ist es manchmal schon ausreichend Kinder für 2 Stunden beim Kinderarzt zu überwachen. Bei Symptomen sind Kinder im Krankenhaus stationär zu überwachen bis die Symptome abklingen, ggf. symptomorientiert zu therapieren. Eine Magenentleerung ist nur bei größeren Mengen (5ml = 1 Schluck bei Kleinkindern) und einer Latenz von weniger als 1 Stunde nach Aufnahme sinnvoll. Bei Krampfanfällen wird mit Benzodiazepinen behandelt, das Kind sollte 12 Stunden lang auf einer Intensivstation überwacht werden und es sind anschließend EEG- und neurologische Kontrollen notwendig. Bei Auftreten eines Kehlkopfkrampfes bei Säuglingen scheint eine Maskenbatmung ausreichend zu sein und anschließens muss der Säugling für 12 Stunden auf einer Intensivstation überwacht werden. 


Ätherisches Öl von Kampfer
Eine Sondersstellung unter den ätherichen Ölen nimmt die Therapie bei Vergiftung mit Kampfer ein. Hier muss immer eine stationäre Überwachung und zusätzlich eine Magenspülung wenn innerhalb einer Stunde möglich, erfolgen, ausserdem eine symptomorientierte Therapie. Für Kleinkinder liegt die tödliche Dosis bereits bei unter 1g. Es sind Fälle bekannt, in denen die Exposition gegenüber 500 mg ätherisches Öl von Kampfer als Todesursache gereicht hat. Häufiger sind Fälle bei denen es bei einer Dosis von 750 bis 1000 mg unter Entwicklung von Krämpfen zum Tod kam. Kanadische Autoren beschreiben die Fälle zweier Kinder, die schwere Vergiftungen nach versehentlicher Einnahme einer geringen Menge von ätherisches Öl von Kampfer erlitten. Beide Kinder zeigten generalisierte tonisch-klonische Anfälle mit nachfolgender Atemdepression. Die Behandlung bei einer derartigen Kampfervergiftung ist symptomatisch, bestehend aus medikamentöser Anfallskontrolle und künstlicher Beatmung. In einem anderen Fall wird von einem jungen Kind berichtet, das in Hong Kong lebte und mit einem schweren epileptischen Anfall nach einem Hin-und Rückflug in Paris im Krankenhaus vorgestellt wurde. Die Routine-Labor-Tests gaben zunächst keinen Hinweis auf eine Vergiftung. Auf weitere Nachfragen des Arztes, berichteten die Eltern, dass das Kindermädchen dem Kind eine Bauchmassage mit einer unbeschrifteten Lösung als Mittel gegen Blähungen gegeben hatte. Die toxikologische Analyse dieser Lösung zeigte die Anwesenheit von Kampfer. Dieser Fall unterstreicht, dass ätherisches Öl in fachkundige und professionelle Hände gehören und verweist auf die extreme Gefahr, die für Kleinkinder mit Kampfer verbunden ist, auch wenn es nur über die Haut verabreicht wird.


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Vergiftungen von Kindern durch Teebaumöl


Quellen: 

Theis JG, Koren G. Camphorated oil: still endangering the lives of Canadian children. CMAJ. 1995 Jun 1;152(11):1821-4. 

Guilbert J, Flamant C, Hallalel F, Doummar D, Frata A, Renolleau S. Anti-flatulence treatment and status epilepticus: a case of camphor intoxication. Emerg Med J. 2007 Dec;24(12):859-60.

Love JN, Sammon M, Smereck J. Are one or two dangerous? Camphor exposure in toddlers. J Emerg Med. 2004 Jul;27(1):49-54.

Kommentare:

  1. Wie sagte Paracelsus? "Die Dosis macht das Gift".

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    1. Liebe Martina,
      Du hast Recht und Kinder reagieren noch viel empfindlicher als Erwachsene. Man muss vorsichtiger bei der Aromatherapie für Kinder sein und geringer dosieren.
      LG,
      Michaela

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  2. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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