Donnerstag, 12. Februar 2015

Amodale Wahrnehmung - Wie erlebt das Baby seine Welt?

Babys nehmen ihre Welt durch die sogenannte amodale Wahrnehmung wahr. Sie verstehen die Sprache der Worte nicht und kategorisieren daher noch nicht wie Erwachsene. Vielleicht haben Sie schon mal etwas von Synästhesie gehört? Dieser Begriff steht für die Wahrnehmung von zwei Dingen gleichzeitig, beispielsweise das Sehen einer bestimmten Farbe in Verbindung mit einem Ton der gehört wird. Ohne amodale Wahrnehmung gäbe es keine Kunst. Ausdruckstanz und die Grazie einer Balletttänzerin beruhen auf der amodalen Wahrnehmung. Dichtung benutzt amodale Wahrnehmung. Mit der normalen Alltagssprache sind diese vermischten Gefühlsqualitäten nur schwer zu beschreiben. Was davon im Erwachsenenalter übrig bleibt sind Gefühle, die man nicht in Worte fassen kann. Ein gutes Kunstwerk kann diese Gefühle zum Ausduck bringen. Die amodale Wahrnehmung des Säuglings ist sehr gut erforscht worden und wird in dem Buch "Die Lebenserfahrung des Säuglings" von D. Stern auf spannende Weise dargestellt, mit vielen Beispielen aus Studien, die vom Autor zitiert werden.

Anhand der Verhaltensäußerungen des Babys, die in unterschiedlichen Formen und unterschiedlichen Sinnesmodalitäten erfolgt, können die Bezugsperson (meistens die Mutter) und das Baby sich austauschen. Die gemeinsame Interaktion erfolgt zwischen Baby und Mutter über Qualitäten und Eigenschaften der Wahrnehmungsmodalitäten. Zu diesen "amodalen Eigenschaften" der Wahrnehmungsqualitäten gehören Intensität, Gestalt, Zeit, Bewegung und Anzahl. Säuglinge können die Welt bereits sehr früh amodal wahrnehmen und werden diese Fähigkeit im Laufe der Entwicklung verbessern. Sie tun dies von den ersten Lebenstagen an. Diese Auffassung ist von Entwicklungspsychologen mit Nachdruck vertreten worden. Die Existenz der abstrakten, amodalen Eigenschaften ermöglicht eine einheitliche Wahrnehmung der Welt zwischen Baby und Mutter. Ebenso wie die Mutter anhand der Qualität der Verhaltensäußerungen Botschaften über den inneren Zustand des Babys empfängt kann auch das Baby amodale Botschaften empfangen.

Sowohl Gestalt als auch Intensität und Zeit können vom Baby wahrgenommen werden. Es geht um die Einheit der Sinne und um die Erfahrung, dass die Welt, die das Baby sieht mit der Welt die es hört und fühlt identisch ist. Die Einheit der Sinne ermöglicht der Mutter und dem Säugling Affektabstimmungen, aus denen ihre Intersubjektivität entsteht. Diese Intersubjektivitiät ist die Realität, die Baby und Mutter teilen, weil keiner sein Baby so gut kennt und versteht wie die Mutter. Abstimmungen treten meistens in Verbindung mit Affekten wie z.B. dem Explodieren vor Freude oder dem Abklingen oder Traurigkeit auf. Ein Affekterlebnis ist beim Baby nicht an eine bestimmte Wahrnehmungsmodalität gebunden, z.B. wird eine Farbe nicht nur als Farbe sondern auch als froh, traurig oder zornig erlebt. Auch Linien werden je nach Schwung und Richtung anders erlebt oder Töne nicht einfach als solche vom Baby wahrgenommen, sondern mit einem Gefühl verbunden und mehrdimensional erlebt. Abstrakter Tanz und Musik sind Beispiele für die Ausdrucksfähigkeit der sogenannten Vitalitätsaffekte und zeigen, dass auch Erwachsene noch über die Gabe der amodalen Wahrnehmung verfügen, wenn sie ein Musikstück zu Tränen rührt oder vor Freude das Herz aufgehen lässt.

Amodale Wahrnehmung Blattgold Dr.Becker ®


Ich habe das Buch "Die Lebenserfahrung des Säuglings" von Daniel Stern mit Begeisterung gelesen und ich denke, dass es mir als Mutter geholfen hat mein Baby noch besser zu verstehen und wünsche diese positive Erfahrung auch anderen Eltern. Darum möchte ich es als Buchtipp an alle Eltern weitergeben und hoffe, dass der Artikel über die amodale Wahrnehmung Neugier auf das spannende Thema weckt.


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